Ein Artist sollte seine Vision entwickeln

Mit hoffentlich positiver Erwartungshaltung. Aber es gibt ja auch viele verschiedene Newcomer. Es gibt Newcomer, die glauben wenn sie bei einem Major-Label unter Vertrag sind brauchen sie nie wieder einen Finger rühren, die Plattenfirma macht alles für sie. Und es gibt Newcomer denen sehr wohl bewusst ist, sobald man einen Plattenvertrag unterschrieben hat die Arbeit erst so richtig beginnt.

Was auch viele Newcomer unterschätzen und das ist mir die letzten 20 Jahre immer wieder begegnet. Ein Artist sollte sehr wohl in der Lage sein seine Vision selber zu entwickeln, zu wissen wer er eigentlich ist und wohin er will und sich selbst zu organisieren. Oder ein Management, oder ein Booking, oder was weiß ich was auf die Beine zu stellen, oder schon zu haben kann nicht schaden bevor man sich um einen Label-Deal, oder einen Plattenvertrag kümmert.

Da fehlt meines Erachtens noch sehr viel Kow-How, das müsste man irgendwie weitertransportieren können, was das eigentlich genau bedeutet. Ich unterschreibe jetzt einen Plattenvertrag.

Wir haben das auch schon oft erlebt, dass dann Künstler aufgestanden sind und dann gesagt haben, hurra jetzt brauch ich nichts mehr arbeiten. Denn es ist genau umgekehrt, dann wird es nämlich wirklich anstrengend. Man kann einem Künstler auch nicht abnehmen eine Vision, oder eine künstlerische Richtung für sich selbst zu entwickeln. Was hin und wieder bei Newcomern auch der Fall ist, das sie glauben, bei der Plattenfirma gibt es ein Regal, da sucht man sich die Vision für die nächsten 10 Jahre aus und stülpt sie sich über, so ist es nicht.

Man sollte schon wissen, was man will. Der beste A&R ist der, der sich bei einem Artist nicht einmischen muss. Es gibt ein positives Beispiel der letzten 3 Jahre. 2010, 2011 hat seine Karriere begonnen, das ist dieser nette Herr da, der Herr Andreas Gabalier. Das ist einer dieser Künstler die von Anfang an gewusst haben wer sie sind, wohin sie wollen, welche Musik sie machen wollen, wie sie aussehen wollen, wie sie auftreten wollen. Der hat ganz genau ein Bild davon gehabt, wer er als Künstler ist. Warum ist er erfolgreich? Genau deswegen. Weil er sich das nicht aus dem Regal einer Plattenfirma gezogen hat, seine Vision, sondern weil sie sich selber entwickelt hat.

Der Künstler muss der Treiber sein, der Treiber seines Produkts. Wenn es er nicht ist, ist es niemand. Der Künstler ist der Benzin im Motor, der Plattenfirma. Wenn der Künstler nicht sprudelt, läuft die Maschine nicht. Und das vergessen viele, es nimmt einem niemand die Arbeit ab.

Interviewpartner: Peter Draxl | Universal Music Austria
Produziert von Radicle Media